Strategische Haushaltssteuerung mit Szenariotechnik

Zukunftsfähige Investitionsplanung für die Stadt Göttingen

Ausgangssituation & Herausforderung

Die Stadt Göttingen wollte ihr Zukunftsinvestitionsprogramm auf eine belastbarere Grundlage stellen. Klassische Trendfortschreibungen stoßen an ihre Grenzen, wenn zentrale Einflussgrößen – demografische Entwicklung, Zinsniveau, Konjunktur, Klimafolgen – sich gegenläufig entwickeln können.

Ziel war es, statt einer einzelnen Prognose ein Spektrum plausibler Zukunftsbilder zu entwickeln, das der Verwaltung und dem Stadtrat als Orientierung für die mittel- bis langfristige Investitions- und Haushaltsplanung dient.

Besonders war der modulare, mehrjährige Zuschnitt des Projekts: Aufbauend auf vorangegangenen Modulen wurde das Verfahren in klar abgegrenzten Schritten – von der Szenarioumfeld-Bestimmung bis zur Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen – gemeinsam mit dem Fachbereich Finanzen weiterentwickelt und im Stadtrat rückgekoppelt.

Vorgehen & Methodik

Nach einem Projektauftakt mit Kick-off-Workshop zur Abstimmung von Vorgehen und Zeitplan gliederte sich der Prozess in mehrere aufeinander aufbauende Schritte:

  • Intensive Daten- und Dokumentenanalyse als fachliche Grundlage
  • Bestimmung des Szenarioumfelds: Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands, Festlegung von Rahmenbedingungen und Betrachtungsebenen (u. a. Investitionen, Ergebnis- und Finanzhaushalt)
  • Identifikation und Priorisierung der Schlüsselfaktoren mittels systematisch-formalisierter Szenariotechnik und Scoring-Methode, differenziert nach allgemeinen und strategischen (auf Fachkonzepte bezogenen) Faktoren
  • Trend- und Prognosemethodik zur Herleitung unterschiedlicher Ausprägungen (minimal, mittel, maximal) je Schlüsselfaktor
  • Entwicklung und Beschreibung mehrerer klar konturierter Zukunftsszenarien (u. a. Wachstum, Schrumpfung, Stabilität, Polarisation, Volatilität, Resilienz)
  • Qualitative und quantitative Bewertung der Auswirkungen jedes Szenarios auf zentrale kommunale Handlungsfelder – von Wohnen und Verkehr über Bildung und Wirtschaft bis Klima
  • Rechnerische Ableitung von Planungsgrößen für Investitionen sowie Ergebnis- und Finanzhaushalt je Szenario
  • Konzeption eines jährlichen Controllingprozesses zur Bestimmung, welchem Szenario sich die tatsächliche Entwicklung gerade annähert

Besonderheit des Beratungsansatzes: Die beiden Extremszenarien dienen bewusst als Leitplanken (Ober- und Untergrenze) für die Haushaltsplanaufstellung, sodass die Stadt zwischen den Szenarien flexibel „springen“ und ihre Planungsprämissen bei veränderten Rahmenbedingungen nachjustieren kann – statt sich auf ein vermeintlich wahrscheinlichstes Szenario festzulegen. Die Ergebnisse wurden regelmäßig im zuständigen Fachbereich sowie in den Gremien der Stadt Göttingen rückgekoppelt.

Ergebnisse & Projekterfolg

Entstanden ist ein strukturiertes Verfahren zur szenariobasierten Haushaltssteuerung mit folgenden Bausteinen:

  • Ein klar definiertes Szenarioumfeld mit dokumentierten Rahmenbedingungen und Betrachtungsebenen
  • Ein System aus allgemeinen und erweiterten Schlüsselfaktoren mit hinterlegter Trend- und Prognosemethodik
  • Ein Set beschriebener Zukunftsszenarien mit qualitativer Bewertung der Auswirkungen auf die zentralen kommunalen Handlungsfelder
  • Ein Vorschlag für ein jährliches Controlling zur Einordnung der aktuellen Entwicklung in das Szenario-Spektrum

Sichtbare Outputs waren ein Abschlussbericht, Präsentationen der Zwischen- und Endergebnisse für den Fachbereich Finanzen sowie die Aufbereitung der Ergebnisse für die Gremien der Stadt Göttingen. Das Verfahren bildet seither die methodische Grundlage für eine flexible, zukunftsorientierte Investitionsplanung.

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